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Himmlisch gute Partner:

Das Henschel Quartett gilt als eines der besten Streichquartette Welt. Über 20 Jahre arbeiten die Musiker schon zusammen. Es ist wie eine Ehe zu viert. Das kann sehr anstrengend sein – oder sehr beflügelnd.

Manche Ehen zerbrechen an den winzigsten Meinungsverschiedenheiten. Auch Streichquartette gehen mitunter auseinander: Weil man sich nicht mehr einig ist in musikalischen Fragen. Oder weil man sich schlicht auf die Nerven geht. So ein Quartett ist ja immerzu zusammen. Auf der Bühne. Hinter der Bühne. Jahrelang. Ehe zu viert nennt man darum auch, was ein Streichquartett zusammenhält. Das kann ein mühsamer Kraftakt sein, im besten Fall aber auch ein „match made in heaven“. Den vier Musikern, die sich an diesem Herbstmorgen bei einem Geigenbauer in Schwabing treffen, scheint eine solche himmlische Verbindung gelungen zu sein. Kritiker preisen das Henschel Quartett als eines der besten Ensembles der Welt. Es hat im Vatikan musiziert und am spanischen Königshaus und zur Eröffnung der Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Beim Dubrovnik Festival 2015 erhielt es den Orlando-Musikpreis, nächstes Jahr gastiert es beim George Enescu Festival in Bukarest. Eine Strahlkraft findet man in dieser Musik, die unter Streichquartetten ihresgleichen sucht. Über 20 Jahre lang sind die Geschwister Monika, Viola, und Christoph Henschel, Violine, sowie Mathias Beyer-Karlshøj, Cello, nun schon zusammen. Jahrelang war auch Markus Henschel mit dabei. Viel Zeit ist vergangen seit den ersten Gehversuchen des Quartetts. Zeit, in der sich die Musiker ein Repertoire von rund 300 Stücken erarbeiteten. Zeit auch, in der sie einübten, wie das geht: gemeinsam ein hervorragendes Niveau zu halten und sich auf einem stark umkämpften Markt zu behaupten. Mathias Beyer-Karlshøj, der Cellist, ist für die Probe extra aus Kopenhagen eingeflogen. Drei Tage später wird das Quartett nach London fahren, für Aufnahmen bei der BBC. Agenturen weltweit buchen das Henschel Quartett für Auftritte. Immer wieder geht es nach Osteuropa, nach Japan, nach Amerika. Mal sind sie drei Tage unterwegs, mal zehn oder 14. Neulich gastierte das Ensemble in New Mexico. Die Luft dort war furchtbar trocken, erzählt Christoph Henschel, acht Prozent Luftfeuchtigkeit. Er schob Gummischläuche in die F-Löcher seiner Violine und füllte sie alle zwei Stunden mit Wasser auf. Als Musiker muss man reisen können, man muss die Luft im Flieger ertragen, den Jetlag nach Ankunft und Rückkehr. Und alles wird mit den Jahren nicht leichter. Es kann vorkommen, dass ein Geiger mit 40 Grad Fieber auf die Bühne geht, damit das Konzert wie geplant stattfinden kann. Dem Körper wird viel zugemutet, die Strapazen sind groß. Besonders für den Cellisten, der einen Vierrollenkoffer hinter sich herzieht und auf dem Rücken den Cellokasten schleppen muss. Im Flieger bekommt das Cello dann einen eigenen Platz – am Fenster, dort ist es am besten geschützt. Zu eng ist es dagegen manchmal im Hotel, vor allem in Japan hat Mathias Beyer-Karlshøj nicht immer genug Raum, um zu üben. Aber hin und wieder kommt das Ensemble auch an einem besonderen Ort unter. Die Musiker lieben Hotels, die eine eigene Atmosphäre haben. „Wir verlieren Lebenszeit, wenn die Hotels nüchtern und gleichförmig sind“, sagt Monika Henschel. Darum achten sie darauf, sich Häuser auszusuchen, die etwas Besonderes sind und ausstrahlen. Vielleicht übersetzt sich auch das in Musik: dieses Wohlgefühl, an einem schönen Ort empfangen zu werden. „Wir sind auf der Suche nach dem nicht austauschbaren Erlebnis“, sagt Mathias Beyer-Karlshøj. Alles rieche heute nach Millimeterpapier. Es regiere die Angst vor dem anderen, dem Neuen, vor Ungewissheiten. Das Quartett will dieser Furcht nicht folgen. „Im Konzertsaal soll etwas erlebbar werden, was nicht wiederholbar ist.“ Offenheit und Spontaneität während des Spiels sind ausdrücklich erlaubt. Wach sein muss man dafür und natürlich: sehr professionell. Voran geht dem Auftritt darum strenge Disziplin. Größte Genauigkeit auch in kleinsten Fragen. Man war sich nicht einig über ein Motiv in einem Beethovenstück, erzählt der erste Geiger Christoph Henschel. An einer Stelle wird es mit einer Klammer bezeichnet, an einer anderen nicht. Hat der Meister die Klammer einfach vergessen? Hat er sie bewusst weggelassen? Wurde die Klammer im Druck übersehen? Hat sie überhaupt eine Bedeutung? Ein Problem von kleinem Karo, könnte man meinen. Aber Menschen, die etwas mit Hingabe tun, denken nicht so. Jedes Detail kann groß und wichtig sein. „Bei einem Meisterwerk kommt man nie zu einem Ende“, sagt Mathias Beyer- Karlshøj. Ein Stück ordentlich zu spielen, sei nicht schwer. Aber Vollkommenheit – das ist ein schier unerreichbarer Anspruch, der absolute technische Perfektion verlangt. Über Beethovens Klammer haben die Musiker tatsächlich eine Weile miteinander gerungen. Jetzt werden sie die Sache erst mal ruhen lassen. „Früher standen wir unter dem Zwang, in solchen Fragen sofort eine Lösung zu finden, per Mehrheitsentscheid“, erzählt Monika Henschel. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass mehrheitliche Entscheidungen nichts taugen. Werde einer überstimmt, gäre das Problem. „Es kommt immer wieder auf den Tisch.“ Also warten die Musiker heute erst mal ab. So manche Dissonanz verschwindet dann von selbst. Vieles beruhigt sich auch, wenn man vernünftig miteinander redet. „Dialoghygiene“ nennt das Monika Henschel: Kritik muss Türen öffnen, nicht schließen. Ganz einfach ist das nicht. Musik ist emotional, Musiker sind es auch. Jede Bemerkung über eine Feinheit, eine Nuance des Spiels berührt sie persönlich. Vieles wird den Streichern tagtäglich abverlangt. „Man muss elastisch sein, ohne sich zu verbiegen, und fähig, vom anderen etwas anzunehmen“, sagt Monika Henschel. Ein Kraftakt, keine Frage. Aber einer, der sich lohnt – für die Musik und den eigenen Anspruch, der größer kaum sein könnte. Wie ein Organ zu klingen ist das Ideal, erklärt Catalin Desaga. Monika Henschel sagt es so: „Man möchte sich selbst im Ganzen verlieren.“

Mosaik Magazin 01/2017 Von: Monika Goetsch

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